Der Desynchronisation entgegenwirken

Nacht- und Schichtarbeit gehört für viele Beschäftigte zum Alltag. Arbeitsmediziner zeigen, wie man gesundheitlichen Problemen entgegenwirkt. Der Gesetzgeber hat mit dem Arbeitszeitgesetz und einer Reihe weiterer Vorschriften für einen klaren rechtlichen Rahmen gesorgt.

Dienstleistungen werden zunehmend rund um die Uhr angeboten

Eine Wochenarbeitszeit von 82 Stunden, wie sie vor knapp 200 Jahren noch normal war, ist zwar heute unvorstellbar, aber im Gegenzug haben sich Tätigkeiten mit der Automatisierung von Produktionsprozessen in die Nachtzeit verlagert. Die Erfindung des elektrischen Lichts war ein Meilenstein auch für die Flexibilisierung der Arbeitswelt. Auch Beschäftigte in Dienstleistungsberufen müssen sich vermehrt auf Arbeitszeiten einstellen, die eine Erreichbarkeit „24/7“ – 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche – garantieren.

Gesundheitliche Probleme und Unfallgefahren

Von seiner Natur her ist der Mensch tagaktiv. Äußere Faktoren wie das Tageslicht lassen sich nur sehr eingeschränkt an nächtliche Arbeitszeiten anpassen. Die Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus führt deshalb einerseits zu einer biologischen Desynchronisation, die sich in typischen Erkrankungen wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden und innerer Unruhe bemerkbar macht. Mindestens genauso gefährlich ist die soziale Desynchronisation. Kontakte zu Familie und Freunden mit Tagesarbeit und Wochenend-Freizeit gehen verloren. Ein prominentes Beispiel ist der Nacht-Talker Jürgen Domian, der seine erfolgreiche Call-in-Show im WDR Fernsehen und bei 1Live Ende 2016 nach fast 22 Jahren aufgab: „Ich will wieder die Sonne sehen.“ Wie Domian geht es vielen Menschen, die in einem permanenten Schichtsystem in Dauernachtschicht arbeiten. Arbeitsmediziner raten zu Wechselschichten mit höchstens drei aufeinander folgenden Nachtschichten. Danach wird eine Ruhezeit von mindestens 24 Stunden empfohlen. Freie Wochenenden im Block sind für die Pflege sozialer Kontakte besser als einzelne freie Tage. Auch für den Arbeitgeber sind ungünstige Schichtrhythmen ein Problem. Vorzeitige Übermüdung erhöht das Fehlerrisiko und führt schlimmstenfalls zu Arbeitsunfällen.

Regelung im Arbeitszeitgesetz

Das Arbeitszeitgesetz widmet der Nacht- und Schichtarbeit einen eigenen Paragrafen. § 6 ArbZG verweist auf die Vereinbarkeit der Schichtpläne mit arbeitsmedizinischen Erkenntnissen und den Menschenrechten. Über die insgesamt sehr komplexe Materie der Arbeitszeiten informieren Internet-Portale wie Anwaltarbeitsrecht.com. Für Nachtarbeiter gibt es beispielsweise das Recht auf regelmäßige ärztliche Untersuchungen und unter besonderen Umständen auch den Anspruch auf einen Tagarbeitsplatz. Zudem muss der Arbeitgeber darauf achten, dass Beschäftigte in der Nachtschicht nicht von Weiterbildungsangeboten, die üblicherweise am Tag stattfinden, abgeschnitten werden.

STATEMENT VIP-Training:
„Die Schichtarbeit ist unter den bestehenden gesundheitswissenschaftlichen Erkenntnissen nie ohne zusätzliche Belastung oder Beanspruchung mittel- bis langfristig umsetzbar. Mit geeigneten Analysetools (teilweise auch im Rahmen der von VIP-Training durchführbaren Gefährdungsbeurteilung nach §5 Arbeitsschutzgesetz, hier im Besonderen psychische Belastungen und Beanspruchungen) können jedoch adäquate Maßnahmen zur Verringerung oder Beseitigung der Beanspruchungen und Belastungen erzielt werden.
Das grundlegende Verständnis die Schichtarbeitenden hier als eigene Zielgruppe zu verstehen ist die Basis von erfolgreichen Interventionen. Zusammen mit unseren eigenen Erfahrungen, aber auch in Zusammenarbeit mit weiteren Experten aus unserem Netzwerk erstellen wir gerne mit Ihnen in einer ersten Beratung ein gesundes Schichtprojekt.“

Paul-Georg Meister / pixelio.de

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02 Jan, 2017

Allgemein

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